Edersee-Atlantis – Tag 1

Der Pegel des Edersees ist einer jahreszeitlichen Schwankung unterworfen, aber zur Zeit ist es mal wieder extrem. Der Sommer und insbesondere der Herbst waren sehr trocken und daher haben wir den niedrigsten Pegelstand seit 2003 und das bedeutet, dass sehr viele der versunkenen Orte aktuell trocken liegen und damit sichtbar sind.

Beim Bau des Edertalsperre wurden drei Dörfer „geopfert“ – Berich, Alt-Bringhausen und Asel – sie wurden in den Jahren 1913/14 teilweise abgetragen und an anderer Stelle wiederaufgebaut oder abgerissen und verlassen.

Auch drei Ederbrücken wurden ein Opfer der Fluten, eine – die in Alt-Bringhausen – wurde vor der Flutung gesprengt, eine – die in Asel – blieb bis auf die Brückengeländer vollständig erhalten und wird sogar bei Niedrigwasser immer wieder saniert und für Fußgänger freigegeben und die dritte – in Berich – liegt fast immer unter Wasser; auch sie ist noch fast vollständig erhalten.

Wir machen uns also auf den Weg an und „in“ den See – gute zwei Stunden Autofahrt später erreichen wir den Edersee und schon das Bild direkt an der Sperrmauer macht deutlich wie niedrig das Wasser steht. Unser erstes Ziel liegt dann fast am anderen Ende des Sees – wir wollen die Ortschaften „von hinten“ aufrollen. Es geht den See entlang und nach einer Weile erreichen wir dann das Ziel: Die alte Ederbrücke in Asel. Der Wasserstand ist hier so niedrig, dass die Eder sich komplett in ihr altes Flußbett zurückgezogen hat; bei Vollstau – also einem komplett gefüllten Edersee – liegt die höchste Stelle der Brücke fast 10m unter der Wasseroberfläche!

 

Weiter geht es – die Schuhe haben die ersten Schlammspuren an sich – in Richtung Bericher Hütte. Bis ins späte 19. Jahrhundert war dort eine kleine Eisenhütte betrieben worden, die allerdings beim Bau der Edertalsperre schon nicht mehr in Betrieb war. Allerdings wurde dort bereits vor dem Bau ein Modell der Sperrmauer im Maßstab 1:40 errichtet, an dem verschiedene Wasserablass-Einrichtungen vorab getestet wurden. Dieses Modell ist noch immer erhalten und nur bei extremem Niedrigwasser zu sehen. Auch Reste der alten Eisenhütte – die später noch als Wohnhaus und Gaststätte verwendet wurden – sind dort erhalten.

 

Eine letzte Station für heute ist dann der eigentliche Ort Berich, ca. 2km flußabwärts. Die Kirch wurde wie auch Teile des Dorfes wurden vor der Flutung abgetragen und an anderer Stelle neu errichtet, aber Teile des ehemaligen Klosters und viele Grundmauern sind sehr gut erhalten und können bestaunt werden. Auch der Friedhof etwas ausserhalb wurde erhalten – die Gräber wurden mit Betonplatten gesichert dadurch vor den Wassermassen geschützt.

 

Den Friedhof haben wir uns auch noch angesehen, aber da es schon recht dunkel war und das Wetter uns einen kleinen Strich durch die Rechnung machte, gibt es von dort leider keine Bilder.

Wir machen uns also auf den Weg ins Hotel nach Bad Wildungen und hoffen, dass das Wetter wenigsten überwiegend trocken bleibt um den morgigen Tag mit den restlichen Sehenswürdigkeiten „im “ Edersee verbringen zu können.

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